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An der 58. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia wird das Künstlerinnenduo Pauline Boudry / Renate Lorenz den Schweizer Pavillon in eine grosse, immersive Installation verwandeln. Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Backlash erforscht das Projekt unter dem Titel «Moving Backwards» Praktiken des Widerstands. Dazu vereinigt es Guerillatechniken, postmoderne Choreografien und urbane Tänze mit Elementen der Underground-Queer-Kultur.

Kuratorin: Charlotte Laubard
Kommissärin: Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia – Marianne Burki, Leitung Visuelle Künste; Sandi Paucic, Projektleitung; Rachele Giudici Legittimo, Projektkoordination

Charlotte Laubard, die Kuratorin des Schweizer Pavillons 2019, hat die beiden Künstlerinnen Pauline Boudry und Renate Lorenz eingeladen, für den Pavillon eine neue filmische Installation zu realisieren. Unter dem Titel «Moving Backwards» nimmt die Ausstellung Bezug auf die aktuelle politische Situation, mit ihren regressiven und reaktionären Kräften der Abschottung gegenüber allem, was anders ist. Als Reaktion auf den gegenwärtigen Backlash schlagen die Künstlerinnen anstelle einer frontalen Opposition vor, «backward movements» als Werkzeug zu betrachten, mit dem an neuen Formen des Widerstands und des Handelns gearbeitet werden kann.

Seit den Anfängen ihrer Zusammenarbeit im Jahr 2007 beschäftigen sich Boudry und Lorenz intensiv mit Überlegungen zu den Bedingungen der Sichtbarkeit und der Existenz des Anderen, ausserhalb von Binarismen und Kategorien, die unsere Identitäten definieren. Ausgehend vom konstruierten und zusammengesetzten Wesen von Identitäten und mithilfe von Performances, die sie filmen und im Rahmen von Installationen inszenieren, wollen sie aufzeigen, wie sich an unseren stereotypen Vorstellungen rütteln lässt. Dadurch weisen sie auf Möglichkeiten hin, neuartige Beziehungen einzugehen und neue Formen der Koexistenz zu finden. «Die Installationen von Pauline Boudry und Renate Lorenz regen dazu an, persönliche Vorstellungen zu überdenken», erklärt Charlotte Laubard. «Ihre Arbeit erzeugt eine zweifache Inversion, indem sie Gesten, Bilder und Objekte präsentiert, die auf politische und gesellschaftliche Fragen verweisen, und diesen zugleich einen hohen Grad an Autonomie verleiht. So können diese Elemente mit dem Publikum interagieren und eine Verbindung entstehen lassen, die dessen Wahrnehmung und Identifikation ins Wanken bringt

Für die Biennale Arte 2019 entwickeln die beiden Künstlerinnen eine grosse filmische Installation mit fünf Performer*innen – Julie Cunningham, Werner Hirsch, Latifa Laâbissi, Marbles Jumbo Radio und Nach –, die mit Rückwärtsbewegungen experimentieren. Die Betrachter*innen sind eingeladen, in eine dichte Choreografie aus Gesten, Filmausschnitten und animierten Objekten einzutauchen und sich in einer Umgebung, die an einen Nachtklub erinnert, aussergewöhnlichen Begegnungen auszusetzen. Diese körperliche und sensorische Erfahrung wird durch Reflexionen über das Thema des Pavillons ergänzt, die von Autorinnen aus den Bereichen des politischen Aktivismus, des Postkolonialismus und der Queer-Theorie, der Philosophie und der Kunst verfasst werden.

Projektzeitschrift und Katalog

Ergänzend zur im Pavillon aufliegenden Gratiszeitung wird zu einem späteren Zeitpunkt ein Katalog zur Ausstellung erhältlich sein, mit Stellungnahmen an die Öffentlichkeit, Ansichten der Installation und vertiefenden Essays.

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