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Gerhard Richter (*1932) hat sich verschiedentlich selbst porträtiert, unter anderem 1996 in zwei kleinformatigen Gemälden. Dennoch bildet Richters Selbstporträt einen bislang kaum beachteten Aspekt seines reichen malerischen Werks.

Das Selbstbildnis des Künstlers ist eine aussergewöhnliche Porträtgattung, insofern der Autor oder die Autorin – häufig schaffend – sich selbst darstellt. Seit der Renaissance zeugen diese Gemälde von einem neu gewonnenen Selbstbewusstsein des Menschen. Sie repräsentieren die Inszenierung eines erwünschten Selbst, dienen der permanenten Selbstbefragung oder lassen die Vergänglichkeit des Menschen anklingen, die im Selbstporträt aufgehoben scheint. Auch Gerhard Richter (*1932) hat sich verschiedentlich selbst porträtiert, unter anderem 1996 in zwei kleinformatigen Gemälden. Dennoch bildet Richters Selbstporträt – im Gegensatz zu seinen zahlreichen Porträts – einen bislang kaum beachteten Aspekt seines reichen malerischen Werks.

1993 erschien im Frankfurter Insel Verlag die erste Ausgabe der Schriften und Interviews Gerhard Richters. Diese wurde von einer Vorzugsausgabe in einer Auflage von einhundert Exemplaren begleitet, wobei je eine Originalzeichnung ins Buch eingebunden war. Zusätzlich entstanden 94 Bleistiftzeichnungen, die als Konvolut zusammenblieben und sich heute in Privatbesitz befinden. Das Kunst Museum Winterthur zeigt in Kooperation mit dem Gerhard Richter Archiv in Dresden diese aussergewöhnliche Zeichnungsserie erstmals.

Während Richters Antlitz sich in den Gemälden von 1996 gleichsam hinter einem Farbschleier verbirgt, umspielt der Zeichnungsstrich den Künstler in beinahe unendlichen Variationen. Dabei löst sich die Profilansicht zusehends in der Bewegung des Zeichenstifts auf, wird die asketische formale Recherche zum freien Tanz der Linien.

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Gerhard Richter

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