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Das Cabaret Voltaire freut sich, die erste institutionelle Einzelausstellung von Lee Scratch Perry in der Schweiz und in Europa zu präsentieren. Wie kein anderer prägte Perry die Entwicklung des Reggaes, Ska und Dub. Legendär waren seine Studios in Kingston, Jamaika und in Einsiedeln, Schweiz. Perrys Gesamtkunstwerk umfasst jedoch auch Kostüme, totemistische Skulpturen und Assemblagen aus Sprache, Film, Malerei und alltäglichen Gegenständen, beispielsweise CDs, Spiegel, Steine, religiöse und popkulturelle Bilder. Mit dem Dada-Erbe des Cabaret Voltaire verbindet Perry nicht nur das disziplinübergreifende Schaffen, die Sampling-Kultur oder den DIY-Ansatz. Beide brachen spielerisch mit gesellschaftlichen Normen, kreierten eigene Mythologien, waren dem Prozess und Kollaborationen verpflichtet. In der Schweiz fanden Perry und die Dada-Gruppe eine ruhige Insel, die zugleich Konzentration und kreative Ausbreitung zuliess. Die Inkubatoren für diese Künstler*innen waren Räume, die weltweit bekannt sind: eine Bier- und Weinschenke in Zürich, das Blue Ark Studio in einer Garage im Kanton Schwyz.

Im Fokus der Ausstellung steht Perrys künstlerisches Schaffen seit den 1990er-Jahren in der Schweiz, darunter Studiowände aus dem Blue Ark Studio, skulpturale Assemblagen, Malereien, dekoriertes Equipment und aufbereitetes Material aus seinem umfangreichen Videoarchiv. Werke und Videoarbeiten, teilweise erstmals für die Ausstellung gesichert und restauriert, geben einen fundierten Einblick in Lee Scratch Perrys Kosmos. Sie machen seine einzigartige Person und die Gestaltung seines Umfelds erlebbar, und verdeutlichen die komplexen Beziehungen und Einflüsse zwischen Musik, Spiritualität und Kunst. Das Publikum wird im Cabaret Voltaire eine Zeitkapsel betreten können, die einen erstmaligen Zugang zu seiner dreissigjährigen Schaffensphase in der Schweiz ermöglicht. Ebenfalls Teil der Ausstellung sind Werke, die aus Kollaborationen entstanden sind und das Archiv als lebendiges Netzwerk verständlich machen.

Lee Scratch Perry (1936–2021) wurde 1936 in einem abgelegenen jamaikanischen Dorf geboren und zog 1961 nach Kingston, um eine Musikkarriere zu verfolgen, nachdem ihn eine göttliche Stimme dorthin geführt hatte. Nach der Gründung des berüchtigten Black Ark Studio produzierte er einige von Bob Marleys berühmtesten Songs und wurde zu einer der bahnbrechenden Kräfte in der Entwicklung der Dub- und Reggae-Musik. Einige Jahre später brannte das Studio ab. Darauffolgend führte Perry ein Nomadenleben, bis er sich in der Schweiz niederliess. Perry arbeitete mit Künstlern wie Bob Marley & The Wailers, Junior Murvin, den Beastie Boys, The Clash und vielen anderen zusammen und wurde 2003 mit einem Grammy für das beste Reggae-Album ausgezeichnet. Ende der 1970er-Jahre begann Lee Scratch Perry, Symbole und Dub-Collagen in seinem Studio zu malen, die sich allmählich zu einer multidisziplinären Gesamtkunstwerk-Praxis entwickelten, die seinen gesamten Körper und seine physische Umgebung umfassten. Oft von Spiritualität durchdrungen, nahm Perrys visuelles Schaffen zunehmend die Form von vielschichtigen Clustern an, die sich ständig verschieben und verändern. Mit Farbe, Spiegeln, Steinen, Fotografien, Videos, Gedichten und Wortcollagen erschuf Perry ein sich ewig erweiterndes Netzwerk aus paradiesischen Tieren, Cartoon-Figuren und Heiligen – in einem unaufhörlichen Bestreben, den Allmächtigen zu verehren. In den letzten Jahren wurde Perrys Werk immer stärker im Kunstfeld rezipiert und unter anderem in Ausstellungen im NMAAHC / Smithsonian Institute in Washington DC (2023), im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf (2023), im MACRO – Museum für zeitgenössische Kunst in Rom (2022) sowie auf der 34. Sao Paulo Biennale (2021) gezeigt.

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