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Im Blumenfenster «Maskenball der Biodiversität» an der Ostseite im Foyer des Gartensaals inszenieren Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger eine fantastische Pflanzen- und Tierwelt mit überbordender Artenvielfalt: Leuchtende Pilze, Fingernagelorchideen, Glasaugenblumen, Knochenbonsai, Flechtengrotten, Kunstdüngerkristalle, ein Geldbäumchen, eine Handyspinne und vieles mehr. Das beleuchtete Blumenfenster wird zum Diorama und lädt mit seiner Komposition aus organischen Kristallen, künstlichen und echten Pflanzen und Artefakten sowohl bei Tag als auch nachts zum Bestaunen und Entdecken ein.

Steiner und Lenzlinger schaffen ein artifizielles Blumenfenster, da die Lichtverhältnisse im Erdgeschoss für lebendige Pflanzen ungünstig sind. Das Einzige, das mit der Zeit langsam wächst, sind Kristalle aus Kunstdünger (Harnstoff), einer Substanz, die das Künstlerpaar immer wieder einsetzt. Aus wässrigen Lösungen formieren sich korallenartige Gebilde, kugelige Wucherungen, Stalaktiten und Stalagmiten. Die Kristalle bedürfen der Pflege; damit sie kontinuierlich wachsen, müssen die Gefässe im Innern der Kunstdüngerkristalle zwei Mal im Jahr mit Nährlösung versorgt werden. Ihre Wachstumsgeschwindigkeit ist mit Kakteen vergleichbar. Man kann die Kristalle eintrocknen lassen, dann erstarren sie; gibt man Nährlösung dazu, erwachen sie zu neuem Leben und wachsen weiter. Aus eingefärbtem Kunstdünger entsteht ein futuristisch anmutendes Zimmerpflanzensetting.

Mit dem Titel «Maskenball der Biodiversität» erweist das Künstlerpaar den legendären Künstler-Maskenbällen, die in den 1950er Jahren im Kongresshaus stattgefunden haben, eine Reverenz. Einzelne Arrangements nehmen Bezug auf Veranstaltungen im Kongresshaus, wie etwa eine Fliegenpilzkonferenz, ein Eiertanz, ein Gottesanbeterinnen-Ballett oder eine Regenwurmtagung. Auch die Zunft zu den Drei Königen, die den Gartensaal als Zunftlokal nutzt, ist kunstvoll verewigt. Im kunterbunten Fantasiegarten von Steiner und Lenzlinger gehen heimische und exotische Fundstücke, welche die Künstler auf ihren ausgiebigen Reisen durch alle fünf Kontinente sammeln, fruchtbare Symbiosen ein. Federn, Steine, Wurzeln, Blumen, Äste, Schläuche, Lämpchen, Plastiktierchen und Anatomieplastiken verwachsen zu fulminanten Traum- und Laborlandschaften. Das Gesammelte und Recycelte verdichtet sich zu fein gesponnenen Form-, Beziehungs- und Bedeutungsgeflechten.

Gerda Steiner (*1967) und Jörg Lenzlinger (*1964) arbeiten seit 1997 zusammen und agieren wie Gärtner, Erfinder, Neo-Alchimisten und Neo-Enzyklopädisten eines poetischen Universums. Sie haben sich national und international einen Namen gemacht mit raumgreifenden Installationen, die sie für die jeweiligen Orte entwickelt haben, etwa für die Schweizerische Landesausstellung Expo.02 («Heimatmaschine», 2002), die Biennale Venedig («Giardino calante», 2003), das Kunsthaus Bregenz («Lungenkraut », 2017) oder das Musée de Valence («Aux extrémitées de notre univers», 2019). Die Installation «Maskenball der Biodiversität» im Kongresshaus Zürich markiert eine Übergangszone zwischen dem Innern und Äussern des Gebäudes und zelebriert eine Kultur des Zeigens. Die Inszenierung der Pflanzen und Objekte im Schaufenster funktioniert als «Kommunikationserreger» zwischen Menschen und Dingen, Strassen und Häusern, Wünschen und Wirklichkeiten. Die Passanten auf der Strasse und die Besucherinnen im Kongresshaus werden sowohl zu spontanen assoziativen Empfindungen als auch zum genauen Hinschauen eingeladen.

Gina De Micheli

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Public Art
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Claridenstrasse 5
Gartensaal
8002 Zürich
Suisse

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